Teil
1: Die Pyramide
1.
Das Bild der Pyramide
Aktion: Das Modell einer Pyramide wird in die
Mitte gestellt.
Gespräch: Am Modell
wird (gruppenweise) darüber gesprochen, welche Bilder und
Empfindungen die Pyramide auslöst. Genannt werden sollen
positive und negative Aspekte wie: Macht, Effektivität,
Ewigkeit, Tod, Männlichkeit usw.
Malen und Zeichnen der eigenen
Vorstellung von der Pyramide mit Blei- und Buntstift.
Gespräch: Eigene und
gegenseitige Interpretationen der Bilder von der Pyramide. Vortrag:
Über das "Geheimnis der Pyramiden" in Forschung und Kultur
- Isiskult, Mumie, Wiedergeburt.
2. Geometrische Struktur und Kräfte
der Pyramide
Aktion: Die Teilnehmer machen (gruppenweise) eine
Liste der Kräfte, die ihrer Meinung nach in der Pyramide
wirken: Dreieck, Quadrat, Kreis, Lot, Linie, Rechteck ua.
Gespräch: Wie unterscheiden
sich geometrische von nicht-geometrischen Formen? Führt
die Spirale über die Geometrie hinaus?
Bewegungsübungen: Wie
wirken geometrische Formen am und im Menschen? Darstellung der
Zahlenreihe von eins bis zwölf (mindestens bis fünf)
durch die Kursteilnehmer/innen und Bewegen in den so entstandenen
Figuren. Es zeigt sich, dass in der Geometrie der Pyramide Elemente
angelegt sind, die über die pyramidale Grundform hinausweisen.
Das gilt insbesondere für den Übergang vom Viereck
zum Fünfeck, den Fünfstern. Die gleichzeitige Bewegung
von fünf Menschen über die Ecken des Fünfstern
lässt einen Innenraum entstehen, um den herum die fünf
Personen einander umkreisen, obwohl jeder für sich die
eigene gerade Linie beibehält. Hier werden soziale Synchronisationskräfte
sichtbar, die über die Hierarchie der Pyramide hinausgehen.
Damit betritt die Gruppe bereits das Vorfeld labyrinthischer
Bewegungen.
Wahrnehmungsübungen
zur Wirkung der Geometrie auf die Psyche, zum Charakter und
zur ordnenden Kraft geometrischer Formen: Aufrechte, Waagerechte,
Symmetrie, sechs Himmelrichtungen.
Abschluss: Erlebnis der
Geometrie des Menschen an den sechs Figuren des Agrippa von
Nettesheim.
Ziel der Beschäftigung
mit der Pyramide ist es, dass jede/r Teilnehmer/in
- eine Pyramide bauen kann
- die darin wirkenden Gesetze kennenlernt
- den Übergang vom Dreieck zum Kreis und der Spirale erfährt,
also zu den "Geheimnissen der Pyramide", die über ihre
geometrische Form hinausweisen, vordringt.
3.
Was kommt aus der Pyramide hervor?
Aktion: Die Pyramide wird gemeinsam
demontiert.
Gespräch (ganze Runde):
Was ist das Ergebnis der Demontage der Pyramide? Welche Gefühle
löst die Demontage aus? Was ist Chaos?
Aktion: Aus den Trümmern
der Pyramide sollen neue Figuren und Formen gebildet werden
- nur keine Pyramide.
Gespräch: Was ist entstanden?
Jeder erklärt seine Figur. Aussage und Bedeutung der Figuren
werden selbst und gegenseitig interpretiert.
Malen und Zeichnen: Skizzieren
der entstandenen Grundelemente: Kreuz, Acht, Kreis, Spirale,
Welle, Fünf- und X-Sterne, organisch, Zellen etc.
Übungen: Die Grundelemente
der entstandenen Formen werden kategorisiert; die Wichtigsten
- Acht, Oval, Kreis, zwei Kreise, die sich ineinander schieben,
Sprirale, Doppelspirale, das Ying und Yang Zeichen - werden
erst einzeln, dann gruppenweise, schließlich von allen
Gruppen gemeinsam körperlich dargestellt und in Bewegung
umgesetzt
Vortrag: Die Krise des pyramidalen
Weltbildes am Beispiel der Sowjetunion und des heutigen Russland.
Abschlussgespräch:
Gibt es eine Form, die alle aus der Pyramide hervorgegangenen
Elemente enthält?
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Teil
2: Das Labyrinth
1.
Erinnerungen an das Labyrinth
Aktion: Das Labyrinth wird
als Figur in einem durchschreitbaren Format gegeben. Vortrag:
Darstellung der historischen Funktion des Labyrinths als rituelle
Figur der Wiedergeburt und Initiation in matriarchalen Gesellschaften,
Skizze der Geschichte seiner Verdrängung im Zuge der Entwicklung
der patriarchalen abendländischen Kultur und Zivilisation,
ebenso wie die seiner Wiederentdeckung in den letzten 50 Jahren.
2.
Erstmals im Labyrinth
Aktion: Das Labyrinth wird
von den Teilnehmer/innen ohne weitere Vorgabe durchschritten,
während die Gruppe von außen zuschaut.
Dialog: Die Teilnehmer/innen
erklären Empfindungen und Beobachtungen, die sich beim
ersten Durchschreiten bei Ihnen eingestellt haben. Die Gespräche
tragen initiatorischen und tendenziell auch diagnostischen Charakter.
3.
Studium der labyrintischen Dynamik
Die Teilnehmer/innen des Kurses gehen ein zweites (und drittes)
Mal durch das Labyrinth, um dessen Wirkung, Struktur und Gesetze
zu erkunden:
- die Dynamik der Gänge (Pendel um den Mittelpunkt, Zahlenverhältnisse
uam.)
- die Wechselbeziehung zwischen labyrinthischem Weg und Gebäude
des Labyrinthes;
- die Entdeckung des asymmetrischen Zentrums
- Verlauf und Wechselwirkung der Doppelspiralen, die das Labyrinthgebäude
bilden.
- Die Beziehung zwischen den äußeren und inneren
Ringen des Labyrinthes
- Die impulsgebende Rolle des vierten Ringes
- Die Bedeutung der Wendepunkte
- Synchronisationen, die sich aus der Begehung durch mehrere
Personen ergeben.
- und weitere Details
Ziel der Begehung des Labyrinths
ist es, die labyrinthischen Bewegungen soweit kennenzulernen,
dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin
- ein Labyrinthgebäude problemlos konstruieren,
- den Weg darin aus freier Hand zeichnen
- die labyrinthische Bewegung ohne Hilfe der vorgegebenen Gänge
frei gehen kann
- die belebende Kraft der Asymmetrie erkannt und erlebt hat
Übungen: Rhythmische
Bewegungen mit Kupferkugeln: -1. Doppelspirale, Kreis, Acht
usw., 2. Einzelformen des labyrinthischen Weges, 3. Innen und
außen - Übergänge, 4. Atemübungen
Labyrinthische Bewegungen:
Vergleiche und Experimente, Anregungen zu eigener Forschungsarbeit
1. in der persönlichen Biografie, 2. im Märchen, 3.
in den sieben Chakren = sieben Umläufe des Labyrinths,
4. im therapeutischen Prozess.
Übung: Mit der ganzen
Gruppe die Figur des Äskulapstabes abschreiten ("Bändigung
der Schlangenkraft")
Abschluss: Teilnehmerinnen
und Teilnehmer stellen die Pyramide ins Labyrinth und begünden
ihre Aktion.
Vortrag: Pyramide im Labyrinth
- Labyrinth in der Pyramide: Geschichte der römischen und
christlichen Labyrinthe bis hin zu den neuen russischen Pyramiden;
Geschichte des heimlichen Matriarchats in der patriarchalen
Gesellschaft am Beispiel Russlands.
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Teil
3: Selbstorganisation
1.
"Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Taifun
auslösen." Aktion: Fraktale und Apfelmännchen,
die geometrischen Grundformen der Chaostheorie, werden an Hand
von Fotografien und Computergrafiken betrachtet und 1. nachgezeichnet,
2. in Töne umgesetzt und 3. in Bewegung umgesetzt.
Vortrag: - Grundbegriffe
der Chaos-Theorie: Übergänge von Ordnung in Chaos
und Chaos in Ordnung: Stau - Bewegung - asymmetrische Ordnung
- Selbstähnlichkeiten, Grenzwerte, Attraktoren - chaotische
Systeme. Fantasie als Ergebnis ständiger Grenzwertüberschreitung.
Wahrnehmungsübung:
Bewegungstudien, (Schattenboxen, Aikido) 1. gegenseitiges Erkennen
von Bewegungen des Partners, 2. Miteinander bewegen (paarweise),
3.wechselseitige Darstellung des am Partner Wahrgenommenen in
Bewegung und Worten
Gespräch:
Herausarbeiten der Unterschiede von bewusster und unbewusster,
ursprünglicher und künstlicher, gezeigter und verborgener
Bewegung, Ursache(n) und Wirkung(en) Dieselben Übungen
mit Stimme, Klang und Sprache
2.
Die gemeinsame Bewegung
Aktion: Eine einzelne Gruppe
stellt eine eigene Bewegung dar. Gespräch: Die übrigen
Kursteilnehmer versuchen den Attraktor der Gruppe zu benennen.
Aktion: Zwei oder mehrere
Gruppen stellen gleichzeitig ihre eigene Bewegung dar 1. in
der Absicht die Bewegung der anderen zu stören, 2. in der
Absicht, die eigene Bewegung zu halten, aber die anderen nicht
zu stören.
Gespräch: Die Gruppen
selbst analysieren ihre Grenzwerte, Attraktoren und Sprünge.
Aktion: Alle Gruppen machen
gleichzeitig ihre eigene Bewegung 1. ohne Vorgabe, 2. mit der
Vorgabe einander zu stören, 3. mit der Vorgabe, die eigene
Bewegung mit den anderen zu synchronisieren Dieselben Übungen
mit Stimme, Klang und Sprache
3. Ich und die anderen: Bewegungen
im Sprachraum, Kommmunikation Aktion: "Bin ich ein
Attraktor?" Studieren der Gesetze der Sprach- und Zeichenbildung
Einzel-Übungen: 1.
die eigene Bewegung vorführen, 2. Gesten vorführen
, 3. Laute und Konsonanten vorführen
Gruppen-Übungen: 1.
"Ich und alle" - einer begegnet allen, 2. gemeinsame Gesten
entwickeln, 3. Laute und Konsonanten synchronisieren, 4. Takt
und Rhythmus, freie Rythmen
Abschlussübung: Die
Acht in allen Varianten malen, zeigen, laufen: (Stichwort dazu:
Das Wesen der Acht liegt auf dem mittleren Ring des Labyrinths,
der die drei inneren mit den drei äußeren Umgängen
verbindet; es liegt im Übergang von der Spitze der Pyramide
zur der spiegelbildlich über ihr stehenden, es liegt im
Sprung von einer Fraktalebene zur nächsten - und darüber
hinaus vielen Formen und Zeichen, die im Lauf des Seminars behandelt
wurden)
Abschluss: Über den
Nutzen der freien Improvisation, Intuition und Fantasie. Denen,
die nach dem Nutzen fragen, gibt eine Fabel des alten Chinesen
Chuangste eine schöne Antwort. Er war ein Schüler
Laotses: Chuangtse spricht über eine Gruppe von Bäumen,
die - bis auf einen - alle sehr hübsch und sehr gerade
wachsen. Die schönen Bäume verspotten den schlecht
wachsenden als hässlich und nutzlos. Übers Jahr kommen
Holzfäller und sägen die schlanken Bäume ab,
weil sie so ebenmäßig sind, dass sie sich gut für
die Möbelherstellung eignen; der Krüppel aber bleibt
unangetastet. Er wächst prächtig und entwickelt eine
breite schattige Krone, die angenehmen Schatten spendet. So
ist es auch bei dem Spiel mit den drei Archetypen der Pyramide,
des Labyrinths und des Fraktals, dessen diagnostische und therapeutische
Möglichkeiten in dem Maße zunehmen, in dem sich Variationsbereitschaft,
Intuition und Fantasie in ihm entwickeln können
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